Blutegeltherapie (Hirudotherapie)

Blutegel werden in der Heilkunde bereits seit über 2000 Jahren erfolgreich eingesetzt.

Wir freuen uns, dieses außerordentlich hilfreiche und traditionelle Therapieverfahren in unserer Praxis für ausgewählte Indikation anbieten zu können.

 

Zu der Therapie bestehen oft viele Fragen und Unklarheiten. Wir haben versucht, auf dieser Website einen möglichst informativen und praxisnahen Überblick über die häufigsten Fragen zu geben. Natürlich können wir nicht das ganze Spektrum der Hirudotherapie darlegen. Im persönlichen Gespräch klären wir gerne weitere Fragen.

Was ist das Prinzip der Blutegeltherapie?

Die zentrale Wirkung des Blutegels beruht auf seinem beim Biss abgesonderten Speichel, der über 30 Substanzen enthält. Diese Substanzen bewirken eine rasch (zumeist über Nacht) einsetzende lokale Durchblutungsförderung,  Schmerzstillung und Entzündungshemmung.

​​​​​​Indikationen zur Blutegeltherapie

Blutegel werden in unserer Praxis eingesetzt bei:

  • Arthrosen oberflächlich gelegener Gelenke (insbesondere Knie, Schulter, Daumen-/Fingergelenke)

  • Akuter Arthritis, z.B. Gicht oder Sportverletzungen, z.B. am Sprungelenk, Knie, Schulter

  • rheumatischen Erkrankungen wie z.B. Psoriasis-Arthritis, rheumatoider Arthritis als Zusatz zur medikamentösen Therapie

  • Akuten Bindegewebserkrankungen: Ansatztendinose, Schleimbeutelentzündungen (Bursitis), Fasziitis, etc.

  • Epicondylitis lateralis (Tennisarm) und Epicondylitis mediales (Golfarm)

  • Akutem Hörsturz

  • Tinnitus

  • Sehnen-/Sehnenscheidenentzündungen

  • Größeren Blutergüßen (Hämatomen)

  • Abszeßen, Furunkeln und Karbunkeln

  • Thrombophlebitis (Akute oberflächliche Venenentzündung)

Welche Ausschlußkriterien (Kontraindikationen) gelten für eine Blutegelbehandlung?

Blutegel dürfen nicht angewendet werden bei Menschen, die

  • unter angeborenen Blutgerinnungsstörungen leiden.

  • eine niedrige Anzahl roter Blutkörperchen im Blut aufweisen (Anämie, Blutarmut).

  • regelmäßig blutverdünnende Medikamente wie Phenprocoumon (Marcumar), Rivaroxaban (Xarelto), Dabigatram (Pradaxa), Apixaban (Eliquis) oder Edoxaban (Lixiana) einnehmen. Die Einnahme von ASS 100mg kann in der Regel wenige Tage vor der Behandlung unterbrochen werden und stellt kein konkretes Ausschlußkriterium dar!

  • unter einer HIV-Infektion leiden...

  • das Immunsystem unterdrückende Medikamente einnehmen, z.B. bei Krebserkrankungen. Eine Basistherapie bei Patienten mit rheumatischen Erkrankungen stellt in der Regel kein Problem dar und ist individuell abzuwägen.

  • unter akuten Infekten, z.B. Bronchitis, Lungenentzündung, leiden

  • die unter ausgeprägten allergischen Erkrankungen leiden.

 

In der Schwangerschaft sollten Blutegel nicht angewendet werden  kann i

Wie läuft eine Blutegelbehandlung ab?

Wir führen vor der Behandlung ein Vorgespräch durch, das eine Untersuchung der zu behandlenden Körperregion und ggf. eine Blutentnahme enthält. Dann kann frühestens 2 Tage später die Behandlung durchgeführt werden. 

Am Behandlungstag werden je nach Indikation zwischen 2 und 10 Blutegel angesetzt.

Die Blutegel werden vom Therapeuten auf das entsprechende Hautareal aufgesetzt und "raspeln" sich mit ihren Kieferwerkzeugen in die Haut. Der "Biss"  verursacht leichte Schmerzen, vergleichbar mit einer Brennessel oder einem Insektenstich. Der Egel saugt sich fest und nimmt ca.  10-20 ml Blut auf. In der Regel bleibt ein Egel zwischen 30 min und 2 Stunden auf der Haut, bevor er sich abfallen läßt und dann träge versucht wegzukriechen. Ein Blutegel beißt niemals zweimal hintereinander und fällt erst von der Haut ab, wenn er wirklich gesättigt ist. Nach dem Abfallen des Egels blutet die Bisswunde noch über mehrere Stunden nach. Dieser Effekt ist ausdrücklich gewünscht, um die Durchblutung und Reinigung der Wunde zu fördern. Pro Egel ist mit einem Blutverlust von 30-40ml (inkl. Nachblutung) zu rechnen.

Die Bisswunden werden danach mit dicken Kompressen verbunden.

Was ist nach der Blutegelbehandlung zu beachten?

Um ein gutes Behandlungsergebnis zu erzielen, sollten sich Patienten konsequent an die Empfehlungen zur Nachbehandlung halten, insbesondere z.B. Extremitäten hochlagern und an den Bisswunden nicht kratzen oder sonstwie manipulieren. uf

Am Folgetag wird bei uns in der Praxis ein Verbandswechsel vorgenommen und die Wunden werden üblicherweise mit Pflastern versorgt. Drei bis 7 Tage nach der Behandlung erfolgt ein weiterer Kontrolltermin, bei dem das mittelfristige Ergebnis besprochen und die Wundheilung nochmal kontrolliert wird.

Welche rechtlichen Regelungen bestehen bei einer Blutegeltherapie?

Es handelt sich bei den von uns genutzten Blutegeln um ein apothekenpflichtiges Fertigarzneimittel. Diese  unterliegen der Kontrolle durch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte. Die Blutegel werden vom "Hersteller" streng geprüft und mind. 32 Wochen in nahezu sterilen Wasserbecken gehalten, um jegliche Übertragung von Keimen o.ä. durch den Egel auszuschließen. Blutegel dürfen am Menschen nur einmal angewendet werden und müssen danach fachgerecht entsorgt werden.

Vor der Behandlung müssen alle Patienten über Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt werden und ihr schriftliches Einverständnis zur Therapie geben.

Was kostet eine Blutegelbehandlung?

Eine Behandlung kostet je nach Anzahl der Blutegel zwischen 120 und 180€. Darin enthalten sind alle Auslagen für die Blutegel und Verbandsmaterial sowie das ärztliche Honorar für Beratung und Untersuchung.

​​​Übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen eine Blutegelbehandlung?

Nein, die Behandlung wird von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen.

Es handelt sich für gesetzlich versicherte Patienten um eine sogenannte individuelle Gesundheitsleistung (IGeL)

 

Übernehmen die private Krankenkassen eine Blutegelbehandlung?

Die Behandlungskosten werden in der Regel übenommen. Es kann vorkommen, daß die Kosten für die Blutegel an sich (sozusagen die Materialkosten) von Beihilfebehörden oder privaten Krankenkassen nicht erstattet werden, die ärztlichen Behandlungskosten hingegen schon.

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